Wie presst man im Fußball wirkungsvoll?

Das abgestimmte Pressing erklärt: die Auslöser, die den Lauf starten, das Gegenpressing nach dem Ballverlust und der PPDA, um zu messen, was deine Mannschaft wirklich tut.

Thibaud C. · Athletiktrainer · Zuletzt aktualisiert: 26. September 2026

Als Mannschaft zu pressen heißt nicht, dass jeder für sich zum Ball läuft. Es heißt, gemeinsam loszugehen, auf ein gemeinsames Signal, mit klaren Rollen. Die goldene Regel: Man presst gemeinsam oder gar nicht. Ein Spieler, der allein presst, reißt ein Loch, das seine Mitspieler nicht schließen können.

Die Auslöser: wann du pressen solltest

Man presst nicht durchgehend — das ist körperlich nicht zu halten. Man wartet auf einen Auslöser, einen Moment, in dem der Gegner verwundbar ist, und geht dann alle gleichzeitig los.

Diese Auslöser gelten unabhängig von deiner Organisation. Beim Raumpressing (am weitesten verbreitet auf hohem Niveau) presst du den Ballführenden und stellst die Passwege zu, um ihn dorthin zu lenken, wo du ihn stellen willst. Beim Mannpressing springt jeder seinen direkten Gegenspieler an, sobald der Pass kommt. Viele Mannschaften spielen gemischt: im Ganzen Raumpressing, mit ein bis zwei Spielern, die ihren Gegenspieler übernehmen, um den kurzen Aufbau zu unterbinden.

In drei Reihen pressen Ballführender 1 1.: presst 2 2.: deckt die Pässe ab 3 3.: sichert dahinter ab
Einer presst, einer deckt die nahen Optionen ab, einer sichert ab: drei ineinandergreifende Rollen, nie ein Spieler allein.

Wer macht was: die drei Reihen

Die Regel: gemeinsam oder gar nicht

Wenn der erste Verteidiger loszieht, ihm aber niemand folgt, spielt der Gegner einen Pass und steht vor einem löchrigen und aus der Balance geratenen Block — das ist schlimmer, als gar nicht gepresst zu haben. Umgekehrt: Wenn der Erste nicht loszieht, ziehen die anderen auch nicht los; man bleibt kompakt und wartet auf den nächsten Auslöser. Pressing ist eine Mannschaftsentscheidung, keine Einzelinitiative.

Das Gegenpressing: die „5 Sekunden“ direkt nach dem Ballverlust

Es gibt einen Moment, in dem sich Pressing enorm auszahlt: die Sekunden nach einem Ballverlust. Der Gegner hat gerade erobert, ist noch schlecht ausgerichtet, unorganisiert, mit dem Kopf beim Ball statt beim Spiel. Das ist Gegenpressing: Statt zurückzuweichen, springen die nächstgelegenen Spieler sofort den Ballführenden an, um zu erobern, bevor er den Kopf hebt.

Eine einfache Regel, bekannt geworden durch Guardiolas Mannschaften, dient als Rahmen: die 5-Sekunden-Regel. Nach einem Ballverlust presst man rund fünf Sekunden voll durch; erobert man in dieser Zeit nicht, hört man auf und formiert den Block neu. Das ist eindeutig: Entweder man holt den Ball sehr schnell zurück, oder man wird wieder kompakt — nie ein halbherziges Pressing, das den Gegner davonziehen lässt, ohne ihn zu stören und ohne gut zu verteidigen.

Die Intensität messen: der PPDA

Analysten beziffern die Aggressivität eines Pressings mit einem Kennwert: dem PPDA („zugelassene Pässe pro Defensivaktion“). Die Idee ist klar: Man zählt, wie viele Pässe der Gegner spielt, bevor deine Mannschaft in den vorderen zwei Dritteln des Feldes eine Defensivaktion versucht (Zweikampf, Abfangen, Block, Foul). Wenige zugelassene Pässe = du gehst schnell zum Ball = niedriger PPDA. Viele zugelassene Pässe = du wartest in deinem Block = hoher PPDA.

Ein zentraler, oft vergessener Punkt: Der PPDA misst die Intensität, nicht die Qualität. Ein niedriger PPDA sagt, dass du viel presst, nicht, dass du gut eroberst oder gut verteidigst. Man kann viel und schlecht pressen, genauso wie wenig und sehr gut. Er ist ein Thermometer für den Stil, keine Note für den Erfolg.

Eine einzige Vorgabe, um das im Amateurfußball zu starten: „Wir pressen beim Rückpass“. Das ist der für alle klarste Auslöser. Ergänze die weiteren Signale nach und nach, sobald dieser sitzt — und probiere das Gegenpressing mit den „5 Sekunden“ direkt nach einem Ballverlust, das bleibt den Spielern am stärksten in Erinnerung.